Feuilleton Rhein Main Presse

Ausstellung  Vom 15.09.2004
 
Gruppe 93 Neuwied im Eisenturm

A. D. Der Kunstverein Eisenturm (Rheinstraße 59) zeigt augenblicklich eine Malerei, Zeichnungen und Skulpturen umfassende Ausstellung der Gruppe 93 Bildende Künstler Neuwied. Es werden Werke von neunzehn Künstlern, die unterschiedlicher nicht sein können, präsentiert. Aber gerade das Unprogrammatische und die Vielfalt der Kunstobjekte macht die Ausstellung für den Betrachter so interessant. Das Motto der Gruppe 93 ist Toleranz, ihnen liegt es am Herzen, auch Neulingen die Augen für Kunst zu öffnen.

Die Skulptur "Denk Mal" von Uta Weiler etwa, mit der die Ausstellung eröffnet wird. Ein eindimensionaler Kopf im Profil beugt sich dem Blick des Betrachters. Anschließend zeigen sich Johanna Mohrs "Tropische Impressionen". Mit dem Mittel des Siebdruckes hat sie Palmenblätter als Muster auf die Leinwand gebracht. Man kann eine gewisse thematische Korrespondenz zu Susanne Krells kleinformatigen Werken erkennen. Durch Frottage hat sie die in Blau, Grün, Gelb gehaltene Leinwand strukturiert. Diese Farbgebung erweckt im Betrachter Assoziationen mit dem Dschungel.

Franz v. Stockerts Skulptur "Venus von M" ist dem Künstler zu Folge ein Nachtrag zur "Venus von Milo", die im Louvre beheimatet ist. Die dem Original fehlenden Hände sind hier in Acrylglas gegossen worden. "Werden und Vergehen" von Hanne Pullwitt besteht aus zwei bearbeiteten Leinwänden, die aussehen, als bestünden sie aus von der Zeit geformten, moosbewachsenen Steinplatten.

Harte Konturen, auffordernd schauende Augen und eine sehr expressionistische Malweise ziehen in Rudi Brandts Werk "Heißer Tag im Büro" die Blicke auf sich. Weiterhin vermittelt "Akt sitzend" von Gerhard Wienss eine sehr gefühlvolle Zärtlichkeit. Ganz im Gegensatz zu Ursula Maas "Vereinzelung". Das Werk zeigt sich sehr melancholisch, nachdenklich in einem Blau- Braun-Schwarz. Außerdem ist die Keramikplastik mit Goldapplikation von Knut Mans erwähnenswert. Schon der Titel "Götterboten machen auch mal Pause" verrät eine absichtlich humorvoll bis komische Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Motiv des Hermes.

Fazit: Eine abwechslungsreiche und sehenswerte Ausstellung.

Bis 10. Oktober; geöffnet Sa, So 11-17 Uhr; Mi 16-19 Uhr